Objekt des Monats
Im westungarischen Grenzort Fertőrákos, zu Deutsch: Kroisbach, wurde nach einigen Quellen bereits seit der Römerzeit
der miozäne Leitha-Kalkstein (Leithakalk) abgebaut. Über viele Funde sicher nachgewiesen ist eine römische Besiedlung.
Zu den besonderen Sehenswürdigkeiten gehört der bereits bei SCHAFARZIK (1909) beschriebene Steinbruch von Rákos (heute Fertőrákos) (siehe
Abbildung). Dieser Steinbruch bestand 1909 bereits 120 bis 150 Jahre und wurde 1870 durch die Allgemeine Österreichische Baugesellschaft aus Wien gepachtet. Der Steinbruch wurde
1948 stillgelegt und 1951 als Denkmal ausgewiesen. Die Besonderheit des Steinbruchareals ist der Abbau in großen untertägigen Kavernen. Jährlich besuchen diese laut Eintrag in Wikipedia
mehr als 200.000 Menschen.
Abb.: Teilansicht des Steinbruchs in Fertörákas. Foto: Ferdinand Heinz. | Zum Vergrößern ins Bild klicken.
Die Abbaukavernen dürften wohl erst nach 1909 entstanden sein, da diese bei SCHAFARZIK (1909) keine Erwähnung finden. Einige Quellen besagen, dass sie durch Zwangsarbeiter während des Zweiten Weltkriegs geschaffen wurden, möglicherweise in dem Zusammenhang, dass die deutschen Besatzer dort eine unterirdische Munitionsfabrik bzw. Lagerräume schaffen wollten.
Heute beherbergt der historische untertägige Steinbruch ein Höhlentheater und einen Themenpark. Im Höhlentheater finden Veranstaltungen statt, u.a. ein jährlich wiederkehrendes Wagner- und Liszt-Festival. Der unterirdische Lehrpfad informiert über die Entstehung des Leitha-Kalksteins, die marinen Ablagerungsbedingungen und den Abbau des Gesteins. Ein besonderes Erlebnis ist dabei der Gang durch einen 22 Meter langen Zeittunnel, über den man in die Tiefe der Zeit eintauchen kann.
Abb.: Links: Abbauräume im unterirdischen Steinbruch. Rechts: Ausstellungsraum im unterirdischen Steinbruch. Fotos: Ferdinand Heinz. | Zum Vergrößern ins Bild klicken.
Abb.: Untertägige Abbauräume im Steinbruch Fertőrákos. Fotos: Ferdinand Heinz. | Zum Vergrößern ins Bild klicken.
Weniger bekannt sind die um das Gelände des unterirdischen Steinbruches gelegenen Straßenzüge mit interessanten Steinbruchwänden in den Hausgärten. Dort lassen sich vielfach noch die Bearbeitungsspuren des händischen Abbau erkennen.
Abb.: Ehemalige Abbauwand von Leitha-Kalkstein in einer Straße im Umfeld des Steinbruchs. Foto: Burkhard Windhager. | Zum Vergrößern ins Bild klicken.
Abb.: Ehemalige Abbauwand von Leitha-Kalkstein in Fertörákas. Foto: Burkhard Windhager.| Zum Vergrößern ins Bild klicken.
Abb.: Ehemalige Abbauwand von Leitha-Kalkstein mit Abbauspuren. Foto: Burkhard Windhager. | Zum Vergrößern ins Bild klicken.
Zum Gestein
Der Leitha-Kalkstein (Leithakalk) wird von SCHAFARZIK (1909) als gelblich-weißer, foraminiferenreicher und „mehr-weniger“ kavernöser Kalkstein beschrieben. Tatsächlich wird der Kalkstein v.a. aus Skeletten von Rotalgen und aus Foraminiferenschalen aufgebaut. Es handelt sich demnach v.a. um einen Kalkklastit. In den Steinbruchwänden erkennbare Schrägschichtungen weisen ihn als Kalkarenit aus. Die Sedimentation erfolgte in einem flachmarinen, lagunenähnlichen Ablagerungsraum vor rund 13-16 Mio. Jahren (Badenium, Miozän).
ROHATSCH (2012) beschreibt die Spannbreite der (burgenländischen) Leithakalke „hinsichtlich ihrer physikalischen Eigenschaften sehr groß [...] – von den hochfeste, polierfähigen Varietäten aus Kaisersteinbruch, Oslip oder Mannersdorf, über die mittelfesten, porösen von St. Margarethen, Fertörakos und Winden am See bis hin zu den kreidig zerfallenden Leithakalken von Müllendorf“.
Abb.: Musterplatte Leithakalk (10 x 7 cm). Verbleib und Foto: Sammlung Ferdinand Heinz. | Zum Vergrößern ins Bild klicken.
Abb.: Links: Zufahrtweg zu den unterirdischen Bereichen. Rechts: Besuchereingang mit Preisinformation. Fotos: Ferdinand Heinz. | Zum Vergrößern ins Bild klicken.
Abb.: Konzertraum im untertägigen Steinbruch. Foto: Ferdinand Heinz.| Zum Vergrößern ins Bild klicken.
Abb.: Objekte im Ortsbild: Stadtmauer und Denkmal zur Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg und die Vertreibung. Foto: Ferdinand Heinz. | Zum Vergrößern ins Bild klicken.
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Eine interessante Darstellung zur Sehenswürdigkeit der unterirdischen Steinbrüche finden Sie hier: https://www.visitsopron.com/de/details/hohlentheater-und-themenpark-steinbruch-in-fertorakos.
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Alle Fotos © Ferdinand Heinz bzw. Burkhard Windhager
Letzte Änderung: 22. August 2026
Historischer Steinbruch Fertőrákos
Lage:
Fertőrákos, Fő u. 1
9421 Ungarn
Land
Ungarn
GPS:
47.7266183, 16.6444754
Entstehungszeit/Errichtung:
Fraglicher (übertägiger?) Beginn zu römischer Zeit
nach SCHAFARZIK (1909) möglicherweise 2. Hälfte 18. Jahrhundert, sicher 1870 durch Allgem. Österreichiche Baugesellschaft Wien.
Gestein:
Leitha-Kalkstein (Leithakalk)
Alter:
13 - 16 Mio Jahre (Badenium, Miozän)
Bild oben:
Ferdinand Heinz
Literatur:
HEINZ, F. (2023): Das Stadtmuseum von Mannersdorf am Leithagebirge (Österreich) / Objekt des Monats November 2023. -- Jetzt aufrufen.
ROHATSCH, A. (2012): Verwendung und gesteinsphysikalische Eigenschaften burgenländischer Leithakalke. -- In: Als das Burgenland noch am Meer lag. -- Wissenschaftliche Arbeiten aus dem Burgenland, 142: 38-50.
SCHAFARZIK, F. (1909): Detaillierte Mitteilungen über die auf dem Gebiete des ungarischen Reiches befindlichen Steinbrüche. -- 544 S.; Publikationen der Königlichen ungarischen Geologischen Reichsanstalt); Budapest (Franklin-Verein).
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